Niedersächsische Gerichte sind überlastet – Allein 400 Strafverfahren noch nicht bearbeitet, weil Richter fehlen, 21.11.2008

Niedersächsische Gerichte sind überlastet – Allein 400 Strafverfahren noch nicht bearbeitet, weil Richter fehlen, 21.11.2008
Es kann Jahre dauern, bis ein Täter verurteilt wird. Der Grund: In Niedersachsen fehlen Richter. Leidtragende sind vor allem die Kriminalitätsopfer.
„Ich kann nicht ausschließen, dass ein möglicherweise gefährlicher Täter lange frei herumläuft, weil sein Prozess erst nach Jahren anfängt“, stellt Andreas Kreutzer die Probleme an den niedersächsischen Gerichten drastisch dar. Allerdings nur, wenn keine Fluchtgefahr besteht – dann müssen Richter schnell handeln.
Kreutzer ist Vorsitzender Richter am Braunschweiger Landgericht und Vorsitzender des Niedersächsischen Richterbunds. Er kennt die Zahlen: „Allein 400 Strafverfahren liegen zurzeit in Niedersachsen auf Eis, weil es nicht genug Richter gibt.“ Doch Zeugen vergessen mit der Zeit Details ihrer Beobachtungen, Angeklagte warten nervös auf ihr bevorstehendes Schicksal. „Je später ein Urteil, desto milder fällt es meist aus“, erklärt Kreutzer.
261 Richter und 126 Staatsanwälte fehlen
Der Richterbund fordert seit Jahren allein für die Amts- und Landgerichte und die Oberlandesgerichte 261 Richter mehr – außerdem 126 Staatsanwälte. Zudem müssten die Gehälter angehoben werden, um weiterhin junge, fähige Richter anzulocken.

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