CopWatch, NRW-Polizei soll Daten zu dem in Haft verbrannten Amad A. manipuliert haben, 02.05.2019

NRW-Polizei soll Daten zu dem in Haft verbrannten Amad A. manipuliert haben, CopWatch, 02.05.2019

A. wurde mit einem in Hamburg gesuchten Malier verwechselt. Neue Recherchen legen nahe: Womöglich war das Absicht, um etwas zu vertuschen.

Der Tod von Amad A. war von Anfang rätselhaft. Der 26-jährige Syrer war im September nach einem Brand in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Kleve an seinen Verletzungen verstorben. Dort war er zwei Monate vorher inhaftiert worden, weil die Polizei ihn, nach eigenen Angaben, mit einem Malier aus Hamburg verwechselt hatte.

…Die Beamten brachten A. auf die Wache, glichen seine Fingerabdrücke mit ihrem Datensystem ab und gaben den Namen, den er angegeben hatte, in die Suche ein: Amed Amed. Daraufhin habe man einen Eintrag entdeckt, wonach in Hamburg ein gewisser Amed Amed aus Mali per Haftbefehl gesucht wurde. So lautet die offizielle Erklärung der Polizei.

…Anfang April gaben die Redaktionen von Monitor und Westpol bekannt, dass zum Zeitpunkt des Datenabgleichs gar kein Eintrag für einen gesuchten Malier aus Hamburg vorgelegen habe. Zu diesen Erkenntnissen sei das LKA Hamburg in einem Schreiben gekommen, das der Monitor-Redaktion vorliegt. Protokolle aus der polizeilichen Datenbank sollen dies bestätigen. Doch das ist nicht alles: Die von Monitor beauftrage IT-Expertin Annette Brückner habe zudem herausgefunden, dass der Aliasname „Amed Amed“ dem Malier erst drei Tage nach A.s Verhaftung zugeordnet wurde. Dafür habe man einen bereits eingegebenen Namen gelöscht und durch denjenigen ersetzt, den der Syrer A. bei seiner Festnahme angegeben hatte.

Einen Systemfehler oder ein Versehen hält die Expertin in einer Pressemitteilung der Redaktionen für ausgeschlossen. Jemand habe gezielt Einzeleinträge verändert: „Ich gehe davon aus, dass es eine vorsätzliche Veränderung, also vorsätzliche Manipulation dieses Datensatzes war, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen“, so Brückner.

…Es sehe so aus, als habe die Klever Polizei die Festnahme legitimieren wollen, erklärt Brückner gegenüber Monitor: „Als wollte Kleve den Hamburger Kollegen deutlich machen: ‚Schickt uns mal diese Haftbefehle, wir hätten die gerne für unseren Syrer, obwohl wir eigentlich wissen, dass sie für den Malier gedacht sind.'“

Weder das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen, noch die Staatsanwaltschaft habe sich gegenüber Monitor zu den Vorwürfen äußern wollen. Sollte es aber tatsächlich stimmen, dass die Klevener Polizei bewusst Daten manipulierte, um einen unschuldigen Menschen festzunehmen, wäre das ein Skandal. Vor allem in Anbetracht dessen, dass diese Fälschung am Ende dazu führte, dass Amad A. starb.

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