Die Pfuscher – Anwaltsfehler, Fristenversäumnisse, Gebührenschinderei, Falschberatung, Kungelei unter den Juristen, 14.10.2003

Die Pfuscher – Wenn Juristen tricksen, MDR, 14.10.2003 20:45 Uhr

Eine Reportage von Lutz Rentner

In der Bundesrepublik sind etwa 116.000 Anwälte zugelassen. Der Konkurrenzkampf um zahlungswillige Kunden ist hart. Viele Anwälte nehmen mehr Fälle an, als sie bewältigen können. Immer mehr Mandanten beklagen sich über schlechte Arbeit ihrer Anwälte. Fristenversäumnisse, Gebührenschinderei, Falschberatung, Kungelei unter den Juristen bis hin zum offenen Verrat der Mandanteninteressen.

Der Jenaer Rechtsanwalt Philipp Wolfgang Beyer hat eine seltene Spezialisierung. Er vertritt Mandanten, die durch Rechtsanwälte geschädigt wurden. Rechtsanwalt Beyer braucht sich über mangelnde Arbeit nicht zu beklagen. Vor kurzem fand auch Frau Günther aus Cottbus in seine Kanzlei. Sie baute nach der Wende für ein großes Versandhaus eine Agentur in Cottbus auf. Die meisten Versprechungen traten nicht ein. Unter dem Strich blieb viel Arbeit für wenig Geld, dazu ein Schuldenberg.

Frau Günthers Suche nach einem Rechtsanwalt beginnt. Ein desinteressierter Anwalt schläft während des Vortrags seiner zukünftigen Mandantin ein. Dann geraten die Günthers an einen Dresdener Anwalt, der zwei Verhandlungstermine aus Krankheitsgründen platzen lässt, seinen Mandanten nicht informiert. Die Günthers erfahren, dass ohne ihr Wissen noch ein zweiter Anwalt eingeschaltet wurde, weil ihr Anwalt für ein Brandenburger Gericht nicht zugelassen war. Auch mit dem nächsten Anwalt haben die Günthers nicht viel Glück. Er trägt ihren Fall so knapp und allgemein vor, dass die Günthers den Prozess verlieren.

Auch Herr Hunger aus Leipzig ist von seinem Anwalt enttäuscht. Er ist durch eine Fehloperation teilweise gelähmt und arbeitsunfähig. Ein Kölner Staatsanwalt machte ihm bis zum ersten Honorar große Hoffnungen auf ein Schmerzengeld. Nach Zahlungseingang lässt der Optimismus des Anwalts rapide nach. Er verlangt ein unanfechtbares Gutachten von seinem Mandanten. Herr Hunger nimmt einen Kredit auf und lässt ein Gutachten anfertigen. Das aber ist seinem Anwalt nicht eindeutig genug. Nun heißt es lakonisch: Die Erfolgsaussichten sind sehr gering und die Prozesskosten gigantisch. Das sieht Rechtsanwalt Beyer aus Jena ganz anders. Er reicht sofort Klage gegen die Klinik ein.

Die Reportage stellt nicht nur Mandanten vor, die von ihren Anwälten betrogen und hingehalten wurden. Am Sozialgericht Chemnitz schaut das Reportageteam hinter die Kulissen der sächsischen Gerichtsbarkeit. Außerdem begleitet sie Kläger, die ihre Forderung gegen die Versicherungsanstalten und Krankenkassen durchsetzten wollen – mit Hilfe von Sozialrechtlern wie Ralph Beckert vom Sozialverband VdK, die ihre Mandanten vor Gericht fachkundig vertreten und die den Ostdeutschen Mut machen wollen, ihre Rechte vor Gericht einzuklagen.

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