Doppeltes Opfer von Hooligans, Opfer darf Teil der Justizkosten bezahlen: „Das ist Pervers“, 18.05.2015

Wie Malte zum doppelten Opfer von Hooligans wurde, Die Welt, 18.05.2015

Der 26-jährige Malte Kock wird von Hooligans während eines Fußballspiels fast totgeprügelt. Langsam bahnt er sich einen Weg zurück ins Leben. Dann soll er auch noch für einen Teil des Gerichtsverfahrens zahlen.

…Seine Eltern sind überglücklich; ihr Sohn ist wieder da, alles wird langsam wieder gut. Und noch besser scheint es zu werden, als sie kurz darauf einen Anruf erhalten. Sie erfahren, dass die Täter, die Hooligans, die Malte dies alles angetan haben, gefasst worden sind.

Denn beim Überfall auf Malte und seine Clique war Polizei in Zivil vor Ort, hatte den Überfall gefilmt. Dank dieser Filmaufnahmen sind die Täter schnell identifiziert worden. Sie müssen sich nun vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Doch das Verfahren läuft ganz anders ab als Malte und seine Eltern sich das vorgestellt haben.

Zehn der Angeklagten kommen mit einer Bewährung oder einem Freispruch davon. Ein 18 Jahre alter Maler wird zwar als Haupttäter zu vier Jahren und zehn Monaten Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt, soll dazu noch 35.000 Euro Schmerzensgeld an Malte Kock sowie 3000 Euro an ein weiteres Opfer zahlen. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Doch der junge Straftäter verdient viel zu wenig, um für all das aufzukommen. Weder Gerichtskosten noch Schmerzensgeld kann er zahlen. Eigentlich stehen auch Krankenhaus- und Rehakosten aus, Kosten für Verdienstausfall und die Beschädigtenversorgung für Malte Kock: knapp 130 Euro im Monat. Nichts davon kann der Täter übernehmen. Für die 130 Euro kommt das Land auf.

Doch ansonsten bedeutet das für das Opfer: Malte Kock bekommt nicht nur kein Schmerzensgeld, er muss auch noch selber zahlen. Und zwar für einen Teil des Verfahrens, den Teil um sein Schmerzensgeld. „Das Gericht hat uns geschrieben, wir sollen 2900 Euro für das Verfahren bezahlen und könnten uns das Geld ja später vom Täter wiederholen“, sagt Horst Kock und schluckt wieder, ohne etwas zum Hinunterschlucken im Mund zu haben. „Das ist pervers.“ …

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