Kinderporno-Prozess, Richter schockt mit Skandal-Äußerungen, 31.01.2012

Kinderporno-Prozess, Richter schockt mit Skandal-Äußerungen

„Die Herren Täter tun mir sogar ein wenig Leid.“ Diese skandalösen Worte eines Bochumer Amtsrichters müssen missbrauchten und sexuell gequälten Kindern und deren Eltern wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen. Sie fielen am Dienstag in einem Prozess um abscheuliche Kinderporno-Videos.

Amtsrichter Dietmar Mölder hatte es nicht einmal für nötig gehalten, die schockierenden Kinderporno-Bilder, immerhin Beweismittel, mit in den Prozess zu bringen. Erst auf Nachfrage erklärte sich der erfahrene Richter bereit, der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht zu verschaffen.
Unglaubliche Kommentare

Als die Anklägerin wenig später eine Bewährungsstrafe (15 Monate Haft) forderte, folgte der nächste unglaubliche Kommentar vom Richterpult. „Nach dem, was ich immer so in der Zeitung lese, kann man dafür ja fast ein Kind selbst vergewaltigen.“ Was er damit meinte: Die beantragte Strafe sei viel zu hoch.

Er verurteilte den 2001 bereits wegen Verbreitens pornographischer Schriften vorbestraften Kinderporno-Sammler (32) zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Auflagen, wie von der Anklägerin (120 Arbeitsstunden) oder vom Verteidiger (eine Therapie) angeregt und – wie es hieß – sogar vom Täter akzeptiert, verhängte der Richter nicht: „Eine Therapie nützt doch sowieso nichts. Das liegt in der Genetik.“

Vergewaltigung und Erniedrigung

Dann folgte der Mitleidssatz. Und auch das ließ aufhorchen: Wo andere Richter bei neuen Straftaten eindringlich vor dem Gefängnis warnen, sagte Mölder nur: „Schwarzfahren oder Ladendiebstahl würde die Bewährung nicht gefährden.“

Im konkreten Fall hatte die Polizei auf dem Computer des Bochumers mehrere Kinderporno-Filme entdeckt. Laut Anklage waren darauf Mädchen und Jungen im Grundschulalter zu sehen, die von Erwachsenen vergewaltigt wurden oder sich vor der Kamera erniedrigen mussten. Dass gerade Sammler und Tauscher mit ihrer Nachfrage dafür sorgen, dass solche widerlichen Szenen überhaupt geschehen und gedreht werden, war gestern kein Thema.

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