Nach 21 Jahren hinter Gittern und Jahren zu Unrecht im Massregelvollzug die Freiheit erkämpft, 17.06.2017

Die Freiheit erkämpft, Von Carolin Nieder-Entgelmeier,  Mindener Tageblatt Nr. 138, 17.06.2017

Nach Jahren zu Unrecht im Maßregelvollzug hat Paul Ulbrich vor Gericht seine Freilassung erreicht. Jetzt plant er eine Klage gegen das Land NRW und Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den LWL.


Am 25. April ist es soweit: Paul Ulbrich verlässt die JVA Aachen und ist nach 21 Jahren hinter Gittern ein freier Mann. „Ein überwältigendes Gefühl, auch heute noch“, sagt der 45-Jährige acht Wochen später und lächelt. In Gedanken an die vergangenen Jahre in verschiedenen Gefängnissen und Maßregelvollzugskliniken in OWL und anderen Teilen des Landes verfinstern sich seine Gesichtszüge wieder. Denn seine Zeit hinter Gittern übersteigt seine Haftstrafe wegen zwei Geiselnahmen um siebeneinhalb Jahre, weil Ulbrich lange als psychisch krank gilt. Sein Leben in Freiheit beginnt er deshalb mit einem juristischen Kampf gegen das Land NRW und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Träger der Maßregelvollzugskliniken.
Rückblick: Seit seinem zwölften Lebensjahr ist Ulbrich in 45 Einrichtungen untergebracht oder inhaftiert. …

…„Ungerecht ist jedoch, dass ich statt der 13,5 Jahre 21 Jahre hinter Gittern verbringen musste. Und das nur, weil mir Gutachter psychische Erkrankungen unterstellt haben.“…

…2016 kommt Bewegung in den Fall. Ein neues Gutachten ändert das Leben von Ulbrich, denn laut Gutachter war er nie psychisch krank und ist somit zu Unrecht im Maßregelvollzug untergebracht worden. Im August entscheidet die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Bielefeld, dass Ulbrich die Maßregelvollzugsklinik in Stemwede verlassen darf. „Ich war also nie psychisch krank, aber trotzdem im Maßregelvollzug.  …

…Zudem hofft Ulbrich auf dienstrechtliche Konsequenzen in den Maßregelvollzugskliniken des LWL. „Ich werde Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den LWL und einzelne Mitarbeiter einlegen.“ Ulbrich möchte andere Insassen vor der unrechtmäßigen Unterbringung im Maßregelvollzug bewahren. „Insassen des Maßregelvollzugs haben keine Lobby.“ …

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2 Kommentare zu Nach 21 Jahren hinter Gittern und Jahren zu Unrecht im Massregelvollzug die Freiheit erkämpft, 17.06.2017

  1. spöke sagt:

    wenn mir das passieren würde…
    Die Gutachter griff ich mir …..

    • justizfreundadmin sagt:

      Dann hättest Du allerdings die gleiche Krankheit, die Herr Ulbrich nun neu hat:

      Richterin Ulrike Barausch 02.11.2015 (LG-Coburg 3cs123js1067312):
      “Der Sachverständige B. gelangte unter Zugrundelegung der daraus gewonnenen Erkenntnisse aus psychiatrisch-psychologischer Sicht zu dem Ergebnis, dass beim Angeklagten jedenfalls eine forensisch relevante wahnhafte Störung vorliegt. Diese ergebe sich daraus, dass der Angeklagte in der Vergangenheit in einer Vielzahl von Schreiben an bundesdeutsche Justizbehörden zum Ausdruck gebracht hat, dass er Justizbehörden allgemein für weitgehend korrupt hält und sich von ihnen ungerecht behandelt fühlt.”

      „Als Motiv des Mannes nennt der Jurist den „Hass auf die Justiz“ nach einigen verlorenen Prozessen.“
      http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/prozess-um-todesschuesse-in-dachau-das-bett-bleibt-leer-11950271.html

      Danach wird man feststellen, dass ein böser Geistesgestörter aus Hass auf einen Gutachter, wegen eines Gutachtens in dem er ebenfalls für geistig krank erklärt wurde und dem bereits eine angeblich zu zahlende Entschädigung rechtskräftig verweigert wurde, sich denselben gegriffen hat.
      Der Rest kann wie üblich gar nicht geklärt werden. Aber eigentlich ist damit ja auch alles geklärt.

      Vielleicht sollte man solche Gutachter in einem solchen Artikel auch benennen, damit andere evtl. vor einem solchen auch geschützt sind. Fehler passieren allerdings und es kommt ja jetzt auch noch darauf an ob er für seinen Schaden vernünftig entschädigt wird.

      Und wenn er entschädigt werden sollte und sich daher nicht mehr ungerecht behandelt fühlt, fällt ja die neue geistige Krankheit wieder weg.

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