Polizist erschießt Hündin an der A 3, schneidet die Ohren – post mortem – ab und erntet Beschwerde-Sturm, 13.08.2013

Polizist erschießt Hündin an der A 3 und erntet Beschwerde-Sturm, Der Westen, 13.08.2013

Bei einem Unfall wird die Hündin Piper von einem Auto schwer verletzt. Ein Polizist zückt daraufhin seine Waffe – und erschießt das Tier. Später schneidet er dem Hund noch die Ohren ab. Der Besitzer von Piper ist entsetzt, schreibt die Geschichte auf und stellt sie ins Internet.

Lothar Wittek versteht die Welt nicht mehr. Seine Hündin „Piper“ ist tot. Das Tier wurde von einem Polizeibeamten erschossen . Außerdem hat der Hauptkommissar dem sechseinhalbjährigen Hund auch noch die Ohren abgeschnitten – post mortem. Angesichts dieser Brutalität ist Wittek fassungslos: „Es gibt noch so viele offene Fragen“, sagt er. Er möchte die Sache nicht ruhen lassen. Eine Anwältin soll jetzt seine Interessen vertreten. „Piper war ein ganz tolles Tier“, sagt Halter Lothar Wittek. „Wir tun für unsere Hunde alles, und wir sind immer für sie da.“
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Die Vorgeschichte: Piper ist eine Aussiedoodle-Hündin. Lothar Wittek züchtet diese Rasse, einen Mix aus Australian Shepherd und Pudel. Am Sonntag, dem 28. Juli, ist Piper plötzlich verschwunden. Zusammen mit Nachbarn macht sich Wittek auf die Suche. Sie finden den Hund nicht. Der Suchtrupp weiß an diesem Tag noch nicht, dass die Hündin Piper von einem Auto angefahren wurde. Familie Wittek wohnt in Dinslaken nahe der Auffahrt zur A3. Dort geschah der Unfall. Die Nachricht ereilt die Familie einen Tag später. Plötzlich stand ein Polizist im Garten, er berichtete von den Geschehnissen des Vortages.

Nach Aussage der Autobahnpolizei habe der Polizist die schlimme Nachricht selbst überbringen wollen. Denn er sei es gewesen, der am Vortag den Hund erschossen habe. „Wir haben in der Sache ermittelt“, sagt Polizeisprecher Markus Niesczery. „Und es hat sich gezeigt, dass das Handeln des Kollegen alternativlos war. Der Hund hatte keine Überlebenschance.“

Erklärung für die abgeschnittenen Ohren
Nach dem gewaltsamen Tod der Australien-Shepherd-Hündin Piper quillt das E-Mail-Postfach der Oberhausener Polizei über. Piper war von einem Auto angefahren und daraufhin von einem Polizisten erschossen worden. Die Bürger sind über dieses Verhalten empört.

Die abgeschnittenen Ohren des Tieres erklärt die Polizei damit, dass der Beamte vermutet habe, dort einen implantierten Identifizierungs-Chip zu finden, mit dem er den Halter ausfindig machen könnte. „Eine irrige Auffassung“, so der Sprecher. Die Chips werden von Tierärzten nämlich nicht in die Ohren des Hundes implantiert – sondern in den Hals.

Da der Hund nicht transportfähig gewesen sei, habe der Polizeibeamte die Autobahnmeisterei dann mit der Entsorgung des Kadavers beauftragt. Einen Tag später lag die tote Hündin Piper aber immer noch an der Unfallstelle. Witteks wollten sie unbedingt noch einmal sehen. Es war kein schöner Anblick.

Vielleicht war das der Moment, in dem die Wut in Lothar Wittek hochkochte. Und die Trauer. Eines möchte er aber klarstellen: „Ich habe keine generelle Wut auf die Polizei. Sondern es geht mir um den einzelnen Polizisten, der hier offenbar Mist gebaut hat.“ Wittek verweist aufs Tierschutzgesetz. Er vertritt den Standpunkt, der Polizist hätte nicht schießen dürfen.

Post kommt sogar aus Kanada
Ein tragischer Fall ereignete sich am vierten Juli um Hund „Bruce“ auf der A46. Der Vierbeiner war seinen Herrchen, der Familie Kobold aus Arnsberg-Hüsten, entwischt und ist um drei Uhr nachts auf der A46 nahe Hüsten gesichtet worden. Die Polizisten haben den Hund geschossen und ihn überfahren.

Seine Sicht der Dinge hat der Dinslakener aufgeschrieben. Der Text steht im Netz. Seitdem erhält er viele Zuschriften. Wildfremde Menschen machen ihm Mut und bekunden ihre Solidarität. Eine Mail kam sogar aus Kanada. Er würde sich gerne bei allen Schreibern persönlich bedanken. Damit kommt er aber nicht nach – es sind zu viele.

E-Mails laufen auch beim Beschwerdemanagement der Polizei ein. Und Briefe. Massen von E-Mails und Briefen. Der Inhalt ist nicht so nett, wie in den Zuschriften, die der Tierbesitzer erhält. Die Nachrichten an die Polizei enthalten nicht selten Beleidigungen und Bedrohungen. „Wir prüfen derzeit, inwiefern die Inhalte strafrechtlich relevant sind“, heißt es.

Nicht die Polizei anfeinden
Trotz dieser Erlebnisse möchte Hundezüchter Lothar Wittek nicht, dass die Menschen die Polizei anfeinden. Das ändere jetzt schließlich auch nichts mehr. Er möchte, dass der Fall restlos aufgeklärt wird.

Wie er sich jetzt fühlt, kann er nur schwer beschreiben. „Hunde sterben“, sagt er. „Das ist ganz klar.“ Vor nicht allzu langer Zeit habe er erst einen Hund einschläfern lassen müssen. Er hatte Krebs. „Wir konnten dabei sein, als es so weit war, und wir konnten wenigstens selbst entscheiden, dass es keine andere Lösung mehr gibt.“

Bei Piper hatte er diese Wahl nicht.

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