Doppelt bestraft: Strafgefangene ohne Rentenanspruch für jahrelange Arbeit im Knast, 30.10.2014

Doppelt bestraft: Strafgefangene ohne Rentenanspruch für jahrelange Arbeit im Knast, Das Erste Kontraste aus Berlin, 30.10.2014

Für Straftäter besteht Arbeitspflicht im Gefängnis. Der Lohn: im Schnitt gerade mal 1,50 Euro die Stunde. Oft schuften die Häftlinge in Akkordarbeit für deutsche Unternehmen. Ein lohnendes Geschäft für die Auftraggeber – aber auch für die Gefängnisse, die die Arbeiter vermitteln. Doch für die Häftlinge wird nicht einmal in die Rentenkasse einbezahlt. So werden später viele zum Sozialfall und fühlen sich doppelt bestraft. 

Häftlinge, die im Knast Papiertüten falten ? Die Zeiten sind vorbei. Heutzutage haben viele Gefängnisse hochmoderne, professionelle Werkstätten und Arbeitshallen, in denen effektiv produziert wird. Häftlinge sind fast überall verpflichtet, zu arbeiten. Sie sollen lernen, Verantwortung für ihr eigenes Leben auch nach der Haft zu übernehmen. Ein Resozialisierungsgedanke, der vernünftig ist, aber einen entscheidenden Haken hat, wie meine Kollegen Chris Humbs und Markus Pohl herausfanden: Denn trotz jahrelanger Schufterei werden für die Beschäftigten im Strafvollzug keine Rentenbeiträge abgeführt!

Der Rentner Kurt Ritsche hat so einiges auf dem Kerbholz und ist bereit, ganz offen mit uns darüber zu sprechen: von seiner Zeit als Juwelendieb – und von seiner Zeit in Haft. 22 Jahre insgesamt, der Großteil hier, in der Berliner Haftanstalt Tegel. Um zu einem ehrlichen Leben zu finden, wurde er im Knast zur Arbeit angehalten. Und Ritsche hat gerne angepackt.

„Na ich war in der Tischlerei gewesen, ich war in der Gärtnerei gewesen, und ich war in der Malerei gewesen, dann war ich in der Glaserei war ich auch gewesen kurze Zeit. Na auf dem Bau habe ich auch gearbeitet.“

KONTRASTE
„Und wieviel Rente kriegen Sie dafür?“

Kurt Ritsche ehemaliger Häftling
„Gar nichts. Gar keine Rente.“

Denn für Arbeit hinter Gittern – egal wie hart oder lange – gibt es keinen Cent Rente. Und weil Ritsche in Freiheit nur 14 Jahre lang gearbeitet hat, ist er heute ein Sozialfall. Er muss mit 390 Euro im Monat auskommen. …

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