Jurastudium: Hoher Druck, harte Prüfungen, schlechtes Klima, Fach mit höchstem Konkurenzdenken, 11.11.2014

Umfrage unter (Jura-)StudentenHoher Druck, harte Prüfungen, schlechtes Klima,
Legal Tribune, 11.11.2014

29.000 Studenten hat das Bildungsministerium im Wintersemester 2012/13 zu ihrer Studiensituation befragt. Besonders die Juristen haben recht eindeutige Antworten gefunden – aber nicht immer positive. Danach ist Jura mehr als jedes andere Fach von Konkurrenzdenken geprägt, gleichzeitig herrschen dort die größten Prüfungsängste und die schlechtesten Beziehungen zu den Lehrenden.
…Die Rücklaufquote unter den Befragten war allerdings bescheiden; im Ergebnis wurden nur 4.884 Fragebögen (verwertbar) ausgefüllt, von denen gerade einmal 220 auf die Rechtswissenschaften entfallen. Vorsicht ist im Umgang mit den Ergebnissen also geboten – auch, wenn sie manches gängige Klischee zu bestätigen scheinen.

Mit Blick auf ihren späteren Beruf bewerten die jungen Juristen die Kriterien „gute Aufstiegsmöglichkeiten“, „hohes Einkommen“ und „sicherer Arbeitsplatz“ jeweils am höchsten (letzteres gleichauf mit den Medizinern). Demgegenüber sind ihnen neue Aufgaben, das Erforschen von Unbekanntem und das Verwirklichen eigener Ideen weniger wichtig als den Studenten der anderen untersuchten Fachrichtungen.

Das raue Klima der Arbeitswelt kriegen die Juristen allerdings bereits lange vor ihrem Berufseintritt zu spüren. So geben 80 Prozent an, dass hohe Leistungsansprüche für ihr Fach charakteristisch seien – ein beachtlicher Wert, den nur die Mediziner (um ein Prozent) übertreffen. Zum Vergleich: In den Kultur- oder Sozialwissenschaften sagt dies nicht einmal jeder Dritte. Dennoch sind Jurastudenten faul: Nur ein kleiner Anteil gibt an, sehr viel und intensiv für das Studium zu lernen; sie unterschreiten zugleich am häufigsten das vorgesehene Pensum an Vorlesungen.

…Auch im Übrigen sind die Angaben zum sozialen Klima ernüchternd. Neben dem hohen Konkurrenzdruck und den überfüllten Räumlichkeiten beklagen 40 Prozent der Rechtswissenschaftler Desintegration, 59 Prozent Entpersonalisierung und 53 Prozent Isolation – Rekordwerte in allen drei Bereichen, denen einzig die Wirtschaftswissenschaftler nahe kommen.

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