Neuruppin: Freispruch des Rheinsbergers Holger Hellblau verwundert bei der StA, 4 Jahre unschuldig im Gefängnis, 27.10.2010

Neuruppin: Freispruch des Rheinsbergers Holger Hellblau verwundert, Märkische OnlineZeitung, 27.10.2010

Etwas verwundert waren die Neuruppiner Staatsanwälte, die den Hellblau-Prozess begleiteten, als sie kürzlich vom Freispruch des zuvor verurteilten Rheinsbergers erfuhren.

Warum die Verwunderung einsetzte, erklärte Gerd Schnittcher, Neuruppins Leitender Oberstaatsanwalt: „Die Geschichte der Tat muss bedacht werden.“ Am 11. Oktober 2005 geschah der Mord an André H. (RA berichtete). „In Neuruppin wurde nach der Verhandlung am 13. April 2006 Hellblau wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt“, erinnerte sich Schnittcher.

Trotz der daraufhin eingelegten Revision von Hellblaus Anwalt, die zu einem erneuten Prozess in Cottbus führte, wurde das Urteil durch das dortige Landgericht am 11. Dezember 2007 bestätigt. „Damit fällten zwei Instanzen ein und dasselbe rechtskräftige Urteil“, so Schnittcher. Es folgten Revisionsanträge, Wiederaufnahmeanträge und eine Beschwerde beim Brandenburger Oberlandesgericht – alles vergebens.

Umso überraschender war die Entscheidung des Brandenburger Landesverfassungsgerichtes, doch eine Wiederaufnahme anzuordnen. „Der Grund dafür war, dass eine spät eingegangene Spurenauswertung der DNA nicht genügend berücksichtigt wurde“, erklärte Schnittcher. „Das mussten wir zur Kenntnis nehmen, waren aber überaus überrascht. Die Spurenlage wurde mehrfach durch verschiedene Gerichte als ausreichend angesehen.“

Ob es gegen den laut Schnittcher „großen unbekannten“ Täter Ermittlungen geben wird, ist ungewiss. „Wir warten, bis das Urteil aus Cottbus vorliegt“, so Schnittcher. Das soll überprüft werden. Dann wird die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie nochmals Ermittlungen beginnt oder nicht. …

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Das Erste: “Menschen bei Maischberger” am Dienstag, 15. Februar 2011, 22.45 Uhr im Ersten

Das Thema:

“Unter Verdacht: Welche Spur führt zum Verbrecher?”

Dr. Saskia Guddat (Rechtsmedizinerin) Dr. Mark Benecke
(Kriminalbiologe) Holger Hellblau (unschuldig in Haft) Vaikko Bartel
(Strafverteidiger) Maryon und Günter Vollrath (überführten Mörder des
Sohnes)

Dr. Saskia Guddat

Sie ist eine der jüngsten Rechtsmedizinerinnen Deutschlands. Seit
vier Jahren arbeitet die 30-Jährige in der forensischen Abteilung in
der Berliner Charité. Die Dunkelziffer an unentdeckten Mordfällen in
Deutschland sei sehr hoch: “Auf jeden aufgeklärten kommt ein
unaufgedeckter Mord.”

Mark Benecke

Er gilt als einer der profiliertesten Kriminalbiologen der Welt, wurde u. a. beim FBI ausgebildet. Wenn die herkömmlichen Ermittlungen nicht mehr weiter kommen, hilft Mark Benecke bei der Spurensuche weiter. “Dr. Made”, wie der Kölner auch genannt wird, rekonstruiert den Tathergang bei Todesfällen anhand von Blutspuren, DNA – und Larven, die Überraschendes über Leichen verraten. “Tötungsdelikte hinterlassen immer Spuren. Je raffinierter ein Täter sein will, desto mehr Fehler begeht er”, sagt der “Popstar der Wissenschaft” (“brandeins”).

Holger Hellblau und Vaikko Bartel

Lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mord – so lautete das Urteil in einem Indizienprozess gegen Holger Hellblau. Der Schlosser wurde beschuldigt, den Liebhaber seiner Ehefrau heimtückisch im Schlaf erstochen zu haben. Stets beteuerte er seine Unschuld. Fünf Jahre nach dem Urteil gelang es seinem Anwalt Veikko Bartel mithilfe neuer Beweise und einer DNS-Analyse, das Verfahren neu aufzurollen. Am Ende wurde Holger Hellblau freigesprochen – nach 1.622 Tagen hinter Gittern.

Maryon und Günter Vollrath

Sie überführten den Mörder ihres Sohnes. Ende 2005 war der damals 25-Jährige Raven spurlos aus einem österreichischen Ski-Ort verschwunden. Monate später wurde die Leiche gefunden. Weil die Todesursache nicht ermittelt werden konnte, schloss die Polizei die Akte. Die verzweifelten Eltern stellten selbst Ermittlungen an und stießen auf Ungereimtheiten. Auf ihren Druck hin wurde das Verfahren neu aufgerollt, bis tatsächlich ans Licht kam: Raven wurde ermordet. Heute sitzt der Mörder im Gefängnis.

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