Anwaltshaftung, Im Zweifel für den Anwalt, 03.05.2006

Anwaltshaftung, Im Zweifel für den Anwalt, 03.05.2006
Mancher Rechtsstreit geht wegen des eigenen Juristen verloren. Dann stellt sich die Frage nach der Haftung
Pfuscht ein Handwerker, kann der Auftraggeber verlangen, daß die Arbeit nachgebessert wird. Er kann den Werklohn mindern oder gar vom Vertrag zurücktreten. Nicht ganz so eindeutig ist die Situation, wenn ein Rechtsanwalt schlechte Leistungen bringt. Denn einerseits handelt es sich nicht um einen Werkvertrag, bei dem die genannten Rechte geltend gemacht werden könnten. Zum anderen ist es für Laien zumeist nicht leicht, anwaltliche Beratungsfehler oder Versäumnisse zu erkennen. Denn klar ist auch: Nicht jede ungünstig verlaufene rechtliche Angelegenheit kann auf anwaltliches Fehlverhalten zurückgeführt werden.
Konkrete Zahlen liegen nicht vor, „denn anwaltliche Haftungsfälle sind nicht meldepflichtig“, so Peggy Fiebig, Referentin bei der Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin. Experten kalkulieren mit lediglich einem Haftungsfall pro Anwalt alle fünf Jahre, und dies im Übrigen unabhängig von der Berufserfahrung des Advokaten. Anders gerechnet: Bei aktuell rund 138 000 zugelassenen Rechtsanwälten in Deutschland, wären dies jährlich gut 27 500 Fälle, in denen die Anwaltsleistung zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Mandanten führt. Denn der Rechtsanwalt ist stets der erste Ansprechpartner, wenn der Mandant Schadenersatz geltend macht. Die Bundesrechtsanwaltsordnung schreibt zwar vor, daß Rechtsanwälte eine Haftpflichtversicherung besitzen müssen. „Einen Direktanspruch, wie etwa bei der Auto-Haftpflichtversicherung, gibt es derzeit aber nicht“, so Antje Jungk, Leitende Justitiarin bei der Allianz-Versicherung.
„Am häufigsten lassen sich Fristversäumnisse erkennen“, so Brigitte Borgmann. Die Münchner Juristin ist Begründerin des Standardwerks zur Anwaltshaftung. „Ursache dafür sind meist Personalfehler, die sich der Anwalt aber zurechnen lassen muß“, so Borgmann. Allein die Tatsache, eine Frist versäumt zu haben, kann zum Verlust eines Prozesses führen. Gut 40 Prozent der Haftungsfälle gehen auf verpaßte Fristen zurück, belegt eine Statistik der Allianz-Versicherung, bei der etwa die Hälfte der deutschen Rechtsanwälte versichert ist. …

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