„Ecojet“, Anfangs erfolgreiches Unterlassungsverfahren für Kritiker von überteuerten betrügerischen esoterischen Scharlatanerieprodukt, 11.03.2015

Ein hessischer Unternehmer verspricht Firmen und Hausbesitzern eine sparsamere Heizung, wenn sie seine Magneten an die Leitung schrauben. Humbug oder Wissenschaft? Der Fall beschäftigt sogar den Bundesgerichtshof.

…Die behauptet in einem Video sogar, „die Technik des Ecojet basiert auf Forschungen, die schon mehrfach mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurden“.

Erfinder und Geschäftsführer Marcus Schneider beruft sich zudem auf mehr als 6000 zufriedene Kunden – und verklagt gern auch mal Kritiker, die öffentlich an der Wirksamkeit des Ecojet zweifeln.

Das Produktversprechen klingt beeindruckend: Einfach den rund 250 Euro teuren Magneten um die Öl- oder Gasleitung montieren, schon würden Häuslebauer durchschnittlich sechs Prozent Heizenergie sparen. Gewerbliche Kunden mit einem teureren Modell sogar mindestens sechs Prozent. Wie soll das funktionieren?

…Thess kennt sich mit Verbrennungstechnik aus, er leitet das Institut für Technische Thermodynamik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Er sagt: „Für die Behauptung, dass das Magnetfeld Wasserstoffbrücken löse und die Wärmekapazität des Brennstoffs absenke, gibt es in der Wissenschaft keine Beweise.“ Die Versprechen von SCS Schneider „gehören in das Reich der Legende“.

Das bayerische Landesamt für Umwelt erklärte schon vor Jahren, man könne mit der Magnettechnik weder praktisch noch theoretisch „auch nur im Ansatz“ Energie einsparen. Die dargestellte Wirkung widerspreche dem Energieerhaltungssatz, einem fundamentalen Naturgesetz. Der ADAC testete vor 15 Jahren eine Ecojet-Variante, die Schneider damals für Autos anbot – und fand keinerlei Einsparung im Spritverbrauch.

…Was sagt der Erfinder dazu? Marcus Schneider beruft sich auf eine „Vielzahl von wissenschaftlichen Abhandlungen“ und erklärt, dass Kunden den Ecojet schließlich erst dann bezahlen, wenn die Heizung einige Wochen nach dem Einbau tatsächlich eine garantierte Einsparung erbringe.

Klingt nach einem fairen Angebot. Allerdings: Die Messung wird von Ingenieuren im Auftrag von SCS Schneider vorgenommen. Hirschberg hält die Messmethode, bei der das Aufwärmen des Kesselwassers gemessen wird, für fehleranfällig und „grundsätzlich falsch“, weil wichtige Parameter der Verbrennung dabei gar nicht beachtet würden.

Der Diplomphysiker und Ingenieur Tom Berger spricht sogar von „Betrug“, „groß angelegtem Schwindel“ und einem „Scharlatanerieprodukt“. Berger hat im Umfeld der Firma recherchiert und wurde von Schneider zunächst erfolgreich verklagt, solche Äußerungen in Internetforen zu unterlassen.

Der Fall ging bis vor den Bundesgerichtshof. Der urteilte im Dezember 2014: Bergers Kritik sei keine unzulässige Schmähkritik, wie die unteren Instanzen geurteilt hatten, sondern eine Meinungsäußerung. Am 18. März muss der Fall vor dem Oberlandesgericht Frankfurt neu verhandelt werden. Berger geht es inzwischen ums Prinzip, den Streit hat er auf der Webseite „anti-ecojet.de“ dokumentiert.

…Also alles nur Pseudowissenschaft? Hersteller entsprechender Produkte treten gerne als Underdogs auf, angeblich unterdrückt von der Wissenschaft und Lobbyisten. „Die Wissenschaft hat überhaupt nichts gegen Erfindungen von Quereinsteigern“, sagt der Stuttgarter Thermodynamiker André Thess. Aber die Behauptungen müssten von unabhängigen Arbeitsgruppen nachvollziehbar bestätigt werden. Thess bietet an, den Ecojet an seinem Institut auf die Probe zu stellen.

Erst der BGH sorgte für Abhilfe:

BGH-RevisionsUrteil1
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