Schwere Vorwürfe gegen Gerichtspsychiater, Gutachter lässt sich von suchtkranker kokain konsumierender Staatsanwältin mit Sex bezahlen, 05.07.2014

Gutachter lässt sich mit Sex bezahlen, sueddeutsche.de, 05.07.2014

Ein Gerichtspsychiater soll eine suchtkranke Staatsanwältin jahrelang mit Psychopharmaka versorgt haben. Als Gegenleistung soll er intime Treffen verlangt haben. Nun wurde nach SZ-Informationen Anklage gegen ihn erhoben.

Die Anklage geht davon aus, dass sich die seit Jahren medikamentenabhängige Frau, die bei der Staatsanwaltschaft München I in der Abteilung für politische Strafsachen tätig war, von S. mit Psychopharmaka versorgen ließ. Er habe ihr neben den Arzneimitteln auch Blankorezepte überlassen und ihr möglicherweise dabei geholfen, sich einen eigenen Rezeptblock zu verschaffen, hieß es aus Justizkreisen. Im Gegenzug habe er Sex gefordert. Darauf hat sich die Frau laut Ermittlungen auch eingelassen.

Ein von der Staatsanwältin gefälschtes Rezept entdeckten Vorgesetzte im Jahr 2010 zufällig auf ihrem Schreibtisch. Der Behördenleitung war bereits bekannt, dass bei der Frau eine Suchtproblematik vorliegt, sie war nach Zusammenbrüchen mehrfach in therapeutischer Behandlung. Nach dem Rezeptfund beauftragte der Generalstaatsanwalt die Staatsanwaltschaft München II mit den weiteren Ermittlungen. Die Frau, die zeitweise auch als Richterin am Landgericht gearbeitet hatte, wurde zunächst an eine andere Staatsanwaltschaft und dann in den vorläufigen Ruhestand versetzt. Das Disziplinarverfahren gegen sie ist noch nicht abgeschlossen.

Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung hatte sich nicht nur der Verdacht auf Rezeptfälschung erhärtet. Die Frau rechnete die Kosten für die Arzneien überdies bei ihrer Krankenkasse ab. In der Wohnung wurde zudem Kokain gefunden. Letztlich musste sie wegen Urkundenfälschung, Betrugs und eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Geldstrafe zahlen. Der Fall kam aber nicht vor Gericht, sondern wurde per Strafbefehl erledigt.

…Die Staatsanwältin kannte den Psychiater von ihrer täglichen Arbeit am Strafjustizzentrum. Seit Jahren ist Thomas S. als freier psychiatrischer Sachverständiger am Münchner Landgericht tätig. Zuvor hatte er als Gefängnispsychiater im Staatsdienst Karriere gemacht – und schon als junger Medizinaloberrat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Bis 1991 war er Chefarzt des Bezirkskrankenhauses in der Justizvollzugsanstalt Straubing.

…Die Delegationsmitglieder hatten sich über den „schlimmen Ruf“ der Psychiatrie in Straubing erstaunt gezeigt. Thomas S. meinte dazu nur, er begrüße diesen Ruf sogar, dieser würde seine Arbeit erleichtern.

Zum 1. Juni 1991 wurde er in die JVA Stadelheim strafversetzt. Doch auch dort musste er gehen: Das Verwaltungsgericht entschied im Jahr 2000, dass er seine Arbeitszeit in der JVA zu gut der Hälfte für nicht genehmigte Gutachter-Tätigkeiten genutzt und damit doppelt kassiert hatte.

Seither arbeitet Thomas S. als freiberuflicher Sachverständiger an verschiedenen Gerichten. Selbst als die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Staatsanwältin gegen ihn aufkamen, erhielt der Psychiater auch von Münchner Gerichten noch etliche Gutachteraufträge. …

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