Verleumdet und verurteilt: unschuldig im Gefängnis, Peter Böttcher, Klaus Dieter Overbeck und Thomas Ewers, 23.01.2014

Verleumdet und verurteilt: unschuldig im Gefängnis, DasErste, panorama, 23.01.2014 22:15Uhr von Ben Bolz & Nils Casjens

httpv://www.youtube.com/watch?v=0YGJYzrIPr4

Für den Kriminalbeamten Peter B. ist es ein Schock: 2007 erfährt er, dass gegen ihn ermittelt wird. Der Vorwurf: mehrfache Vergewaltigung einer Frau. Eine Frau, die er gar nicht kennt. Für B. beginnt ein verzweifelter Kampf gegen Behauptungen über angebliche Taten, die teils Jahre zurückliegen sollen. Hinzu kommt, dass er sich von den ermittelnden Behörden ziemlich allein gelassen fühlt. Sie hätten sich offenbar nicht gefragt: „Was tue ich, um Leute zu entlasten?“ Peter B. fragt sich weiter: „Es gab so viele Möglichkeiten, zum Beispiel die Dienstzeiten zu überprüfen. Es ist nichts gemacht worden. Warum nicht? Die Frage stelle ich. Warum nicht?“

Nach fünf langen Jahren wird das Ermittlungsverfahren gegen Peter B. schließlich eingestellt. Die Frau hatte offenbar eine Persönlichkeitsstörung. Die Vergewaltigungen waren Hirngespinste, wie bei einer Begutachtung herauskam.

…Und trotzdem ist die Entschuldigungskultur in der deutschen Justiz nicht gerade ausgeprägt. „Die Entschuldigungskultur kann ja nur dann entstehen, wenn es überhaupt eine Fehleranalyse gibt. Die fehlt leider in der Justiz weitgehend“, sagt Buchautor und SPIEGEL-Redakteur Thomas Darnstädt.

Fast sieben Jahre saß Thomas Ewers wegen einer angeblichen Vergewaltigung im Gefängnis – unschuldig. Das hat seine Ex-Freundin erst nach seiner Freilassung in einem Brief gestanden. Ewers hat sie daraufhin wegen Freiheitsberaubung angezeigt. Das Urteil sollte die Grundlage für die Wiederaufnahme seines Verfahrens sein. Doch das Landgericht Dortmund, das ihn damals hinter Gitter gebracht hatte, lässt ihn seit über zwei Jahren auf den Prozess warten. Man beabsichtige das Verfahren in der ersten Jahreshälfte 2014 zu terminieren, teilte das Gericht nun mit.

Der Rechtsanwalt von Thomas Ewers hat jetzt direkt die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. Denn sonst wird Ewers niemals einen Job finden: „Mit meinem Führungszeugnis findet man keine Arbeit. Da steht ja Vergewaltiger drin.“ …

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