Wie ein paar Zigaretten das Leben eines Polizisten zerstörten, er vertraute seinem Anwalt, das dicke Ende ahnte er nicht, 01.11.2012

Beamter wegen schweren Raubes verurteilt, Berliner Kurier, 01.11.2012

Für Jens Rohde war der Einsatz im März 2010 Routine. Gemeinsam mit seinem Streifenführer nahm der Kommissar in Köpenick zwei Zigarettenhändlern ein paar Stangen ab. Alltag im Berufsleben des ehrgeizigen Familienvaters. Denkste! Der Einsatz zerstörte Rohdes Karriere.

Und das kam laut Jens Rohde so: Ein Kollege nahm die beschlagnahmten Zigaretten nach Dienstende aus dem Polizeiauto, hätte so auch den Schreibkram erledigen müssen. Hat er aber nicht. Nach 14 Tagen fragte ein weiterer Kollege nach dem Verbleib der Stangen.

Rohde dachte, der Fall wäre bereits abgearbeitet und übernahm aus Kollegialität die Schreibarbeit und trug die Pakete ordnungsgemäß in die Asservatenliste ein. Und handelte sich einen schwerwiegenden Vorwurf ein, der schließlich vor dem Gericht landete: Rohde hätte die Zigaretten ursprünglich für sich selbst behalten wollen und erst auf Druck von oben das Schriftliche erledigt. Rohde selbst sagte der „Süddeutschen“: „Es war einfach nur ein Betriebsunfall.“

Der Fall vorm Landgericht endete böse. Der Staatsanwalt klagte den 33-Jährigen wegen schweren Raubes (da er mit geladener Dienstpistole unterwegs war) an. Mindeststrafe: drei Jahre. Jens Rohde vertraute seinem Anwalt, hoffte, alles würde ein gutes Ende nehmen. Das dicke Ende ahnte er nicht.

Denn im Gerichtssaal spielte sich ein Szenario ab, wie es ständig bei strittigen Fällen vorkommt: das Szenario des Deals. Der Richter schlug Rohde vor, bei einem Geständnis wäre eine Bewährungsstrafe drin. Ohne eine Haftstrafe von vier Jahren. Die Möglichkeit des Freispruchs soll nur in einem Nebensatz gefallen sein. Und auch sein Verteidiger war offenbar nicht von seiner Unschuld überzeugt. Der setzte seinem Mandanten den Floh ins Ohr, dass alles, was er aussagen würde, „als unwahr oder Schutzbehauptung abgetan werde“.

Er jagte Rohde Angst ein, dass er „am Ende des Verhandlungstages zu einer Freiheitsstrafe von mindestens vier Jahren verurteilt werde, weil das Gericht keine Zweifel am Wahrheitsgehalt der Anklageschrift habe“. Außerdem soll der Richter zeitlichen Druck ausgeübt haben – bis Rohde auf den Deal einwilligte und zwei Jahre auf Bewährung bekam. …

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