Anwalt spricht von Willkür-Justiz bei dem „verrückten Treiben“ der Bamberger Staatsanwaltschaft, 19.02.2019

Der Fall Robin F. sorgt bundesweit für Aufsehen. Jetzt meldet sich der Anwalt des Kieler Azubis zu Wort: Jan Smollich spricht von Willkür-Justiz und beklagt „Deniz-Yücel-Verhältnisse“. Mit einer Haftbeschwerde will er dem „verrückten Treiben des Bamberger Staatsanwalts“ ein Ende bereiten.

Der Kieler Robin F. hat im Februar unschuldig acht Tage in Bayern in Untersuchungshaft gesessen. „Das Landgericht hat der Haftbeschwerde zugestimmt, dass es weder Verdunkelungs-, noch Fluchtgefahr gab“, so der Anwalt des 23-Jährigen. Er prüft jetzt rechtliche Schritte gegen die Staatsanwaltschaft.

… Als Augenzeuge einer brutalen Schlägerei im Jahr 2017 war Robin F. Mitte Februar zu einem Strafprozess gegen zwei 23 und 29 Jahre alten Männer ins bayerische Bamberg gereist. Noch am selben Abend fand er sich in Untersuchungshaft wieder – wegen angeblicher Falschaussage und drohender Fluchtgefahr. Der Haftrichter hatte einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft zugestimmt. Ein Einzelfall war Robin F. – drei weitere Zeugen landeten in U-Haft.

…Gegen insgesamt neun Personen leitete die Strafbehörde Ermittlungen ein. Der Vorwurf: falsche uneidliche Aussage und versuchte Strafvereitelung. „Uns liegen Informationen aus Whats-App-Verkehren vor, in denen sich Zeugen der körperlichen Auseinandersetzung vor ihrer Aussage abgesprochen haben, was vor Gericht gesagt werden sollte und was besser nicht“, argumentierte Oberstaatsanwalt Matthias Bachmann im Februar gegenüber KN-online.

Robin ist nicht Mitglied dieser Whats-App-Gruppe gewesen und auch in der Ermittlungsakte finden sich dazu keine Anhaltspunkte“, sagt Jan Smollich. Abgesehen davon habe der Schleswig-Holsteiner die Täter und die übrigen Zeugen – mit Ausnahme einer jungen Frau, die er in Bamberg besucht hatte – auch gar nicht gekannt.

Der Jurist sagt, einen vergleichbaren Fall in mehr als 30 Jahren noch nicht erlebt zu haben. „Abgesehen davon, dass die Kopie der Akte offenkundig per Esel von Bayern nach Schleswig-Holstein transportiert wurde, so lang wie das gedauert hat, verstehe ich nicht, weshalb angeblich falsche Aussagen anderer Zeugen in den Unterlagen meines Mandanten zu finden sind“, berichtet der Anwalt.

„Echt heftig“ aber sei, dass sich die Angaben des 23-Jährigen vor Gericht nur in Nuancen von denen unterscheiden würden, die der Koch-Azubi Robin F. vor eineinhalb Jahren bei der Polizei gemacht hatte. „Das kann nach einem so langen Zeitraum schon einmal vorkommen und ist Alltag bei Prozessen in ganz Deutschland“, betont der Flensburger Anwalt.

Robin F. habe in der Justizvollzugsanstalt Bayreuth immer wieder geweint. „Dass er sich in der ersten Nacht bis auf die Unterhose entkleiden musste und in einer unbeheizten Zelle untergebracht wurde, grenzt an Beugehaft und den Versuch, ihn weichzukochen“, empört sich der Anwalt.

Die Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bamberg waren seit Montag telefonisch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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